Bau-Wissen
July 7, 2026

Diese Einkaufskennzahlen gehören auf den Tisch der Geschäftsführung

Welche Einkaufskennzahlen Geschäftsführer im Bau monatlich sehen sollten: von Bestellvolumen über Preisabweichung bis Skontoquote, mit Praxisbezug.

Blog Image

Viele Geschäftsführer im Bau kennen ihre Baustellen besser als ihre Einkaufszahlen. Dabei entscheidet der Einkauf bei Materialkostenanteilen von 30 bis 50 Prozent direkt über die Marge. Fünf Kennzahlen reichen, um die Kontrolle zurückzugewinnen und zu sehen, wo Geld verloren geht, bevor es zu spät ist.

Gerade 2026 ist dieser Blick wichtiger denn je. Im Juni meldeten 38 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe Auftragsmangel, im Wohnungsbau waren es sogar 44 Prozent. Wenn weniger Aufträge hereinkommen, wird jeder Euro auf der Kostenseite entscheidend. Und die Kostenseite beginnt im Einkauf.

Balkendiagramm Auftragsmangel im Bau Juni 2026, Bauhauptgewerbe 38 Prozent, Wohnungsbau 44 Prozent
Auftragsmangel im Bau, Juni 2026. Quelle: ifo Konjunkturumfrage.

Warum die meisten Betriebe ihre Einkaufszahlen nicht kennen

Der Einkauf im Bau ist historisch dezentral organisiert. Bestellt wird auf der Baustelle, im Büro, per Telefon und per Mail. Die Daten liegen verstreut in Ordnern, Postfächern und Köpfen. Eine zentrale Auswertung gibt es selten, weil es die Datengrundlage dafür nicht gibt.

Die Folge ist ein blinder Fleck genau dort, wo am meisten Geld bewegt wird. Der Geschäftsführer sieht am Monatsende die Summe der Materialkosten, aber nicht, wie sie zustande kam. Wurde zu Rahmenvertragskonditionen bestellt oder am Vertrag vorbei? Wurde Skonto gezogen oder verschenkt? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, weil niemand die Zahlen zusammenführt.

Dabei ist Beschaffungscontrolling kein Luxus für Großkonzerne. Es ist die Grundlage jeder ernsthaften Kostensteuerung. Wer nicht misst, kann nicht steuern, und wer nicht steuert, überlässt die Marge dem Zufall. Der erste Schritt ist deshalb nicht ein neues Tool, sondern die Entscheidung, überhaupt hinzuschauen.

Die fünf Kennzahlen, die auf den Tisch der Geschätsführung gehören

Nicht jede Kennzahl ist gleich wichtig. Für die monatliche Steuerung reicht ein kompaktes Set, das den Einkauf ehrlich abbildet. Diese fünf Werte sind die Basis:

  • Bestellvolumen je Projekt: Zeigt, wie viel Material pro Baustelle beschafft wird, und macht Ausreißer früh sichtbar.
  • Maverick-Buying-Quote: Der Anteil der Bestellungen, die an Rahmenverträgen und Freigaben vorbeilaufen. Jeder Prozentpunkt hier kostet direkt Marge.
  • Preisabweichung zu Rahmenverträgen: Der Unterschied zwischen vereinbartem und tatsächlich gezahltem Preis. Er deckt auf, ob ausgehandelte Konditionen im Alltag auch greifen.
  • Skontoquote: Der Anteil der Rechnungen, bei denen Skonto tatsächlich gezogen wurde. Verschenktes Skonto ist bares Geld, das ungenutzt liegen bleibt.
  • Durchlaufzeit Rechnung: Die Zeit vom Rechnungseingang bis zur Freigabe. Sie entscheidet mit darüber, ob Skontofristen überhaupt eingehalten werden können.

Jede dieser Kennzahlen beantwortet eine konkrete Frage, die ein Geschäftsführer stellen sollte. Die Maverick-Buying-Quote zeigt, ob die eigene Beschaffungsdisziplin funktioniert. Wie teuer wildes Bestellen wird, haben wir im Beitrag zu Maverick Buying im Bau durchgerechnet. Die Preisabweichung wiederum zeigt, ob sich die mühsam verhandelten Rahmenverträge im Tagesgeschäft überhaupt auszahlen.

Hilfreich ist außerdem ein fester Rhythmus. Wenn die fünf Kennzahlen jeden Monat zum gleichen Termin besprochen werden, etwa im kurzen Austausch zwischen Geschäftsführung, Einkauf und Buchhaltung, wird aus Zahlen ein Gespräch über Ursachen und Maßnahmen. So bleibt das Beschaffungscontrolling lebendig und versandet nicht in einer Tabelle, die niemand mehr öffnet.

Wer den Einkauf nicht misst, verhandelt jedes Jahr neue Konditionen und weiß am Ende nicht, ob sie im Betrieb je angekommen sind.

Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit. Eine Kennzahl, die einmal im Jahr auftaucht, ist eine Anekdote. Eine Kennzahl, die jeden Monat auf dem Tisch liegt, wird zum Steuerungsinstrument. Erst die Wiederholung macht Trends sichtbar und erlaubt es, früh gegenzusteuern statt im Nachhinein zu erklären.

Von der Kennzahl zur Entscheidung

Kennzahlen sind kein Selbstzweck. Ihr Wert entsteht erst, wenn sie zu Entscheidungen führen. Eine hohe Maverick-Buying-Quote ist ein Signal, die Freigabeprozesse zu schärfen. Eine niedrige Skontoquote ist ein Auftrag an die Buchhaltung, Durchlaufzeiten zu verkürzen. Eine große Preisabweichung ist ein Anlass, mit dem Lieferanten oder den eigenen Bestellern zu sprechen.

Genau hier zeigt sich der Zusammenhang zwischen Kennzahlen und Konditionen. Rahmenverträge senken die Kosten nur, wenn sie auch genutzt werden. Wie zentrale Beschaffung Margen rettet, beschreiben wir im Beitrag zu Rahmenverträgen im Bau. Und aktuelle Preislisten sind die Voraussetzung dafür, dass Preisabweichungen überhaupt korrekt gemessen werden, wie unsere Analyse zu Materialpreisen 2026 zeigt.

Der ehrliche Blick auf diese Zahlen ist manchmal unbequem. Er kann zeigen, dass ein Drittel der Bestellungen an den Rahmenverträgen vorbeiläuft oder dass regelmäßig Skonto verschenkt wird. Doch genau diese Erkenntnis ist der Hebel. Was sichtbar wird, lässt sich verbessern. Was im Dunkeln bleibt, kostet weiter Geld, ohne dass es jemand merkt.

Ein praktischer Tipp für den Einstieg: Beginnen Sie mit einer einzigen Kennzahl, die im eigenen Betrieb erfahrungsgemäß am meisten wehtut. In vielen Baubetrieben ist das die Maverick-Buying-Quote, weil dezentrale Bestellungen tief in der Kultur verankert sind. Wer hier ansetzt und den Wert über einige Monate verfolgt, sieht schnell, ob Maßnahmen wie klarere Freigaberegeln tatsächlich wirken. Der Erfolg an dieser einen Zahl schafft die Akzeptanz, um das Kennzahlen-Set nach und nach zu erweitern.

Warum Digitalisierung die Voraussetzung ist

All diese Kennzahlen setzen eines voraus: strukturierte Daten. Ohne digitale Beschaffung gibt es keine Maverick-Buying-Quote, weil niemand weiß, welche Bestellung freigegeben war. Es gibt keine Preisabweichung, weil die Rahmenvertragspreise nicht hinterlegt sind. Es gibt keine belastbare Durchlaufzeit, weil Rechnungen im Papierstapel liegen.

Mit einer zentralen Beschaffungsplattform entstehen diese Zahlen als Nebenprodukt des normalen Arbeitens. Betriebe bestellen bis zu 50 Prozent schneller, verarbeiten Belege bis zu 75 Prozent schneller, und 100 Prozent des Bestellwerts landen im ERP. Die Kennzahlen sind dann keine mühsame Extraauswertung mehr, sondern ergeben sich automatisch aus dem Prozess.

Dabei geht es nicht um perfekte Zahlen von Tag eins an. Auch eine grobe Näherung ist wertvoller als gar kein Wert, solange sie konsequent gleich erhoben wird. Wichtiger als die zweite Nachkommastelle ist die Richtung: Bewegt sich die Skontoquote nach oben, sinkt die Durchlaufzeit, kommt die Preisabweichung dem vereinbarten Niveau näher? Diese Trends erzählen die eigentliche Geschichte des Einkaufs.

Für Geschäftsführer heißt das: Der Weg zu besseren Einkaufszahlen führt über die Digitalisierung der Beschaffung. Nicht als Selbstzweck, sondern weil erst sie die Transparenz schafft, die eine ernsthafte Kostensteuerung braucht. Wer 2026 seine Marge verteidigen will, sollte diese fünf Kennzahlen kennen, und dafür sorgen, dass sie jeden Monat auf seinem Tisch liegen. Weiterführende Impulse dazu finden Sie in unserem Magazin.

Viele Geschäftsführer im Bau kennen ihre Baustellen besser als ihre Einkaufszahlen. Dabei entscheidet der Einkauf bei Materialkostenanteilen von 30 bis 50 Prozent direkt über die Marge. Fünf Kennzahlen reichen, um die Kontrolle zurückzugewinnen und zu sehen, wo Geld verloren geht, bevor es zu spät ist.

Gerade 2026 ist dieser Blick wichtiger denn je. Im Juni meldeten 38 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe Auftragsmangel, im Wohnungsbau waren es sogar 44 Prozent. Wenn weniger Aufträge hereinkommen, wird jeder Euro auf der Kostenseite entscheidend. Und die Kostenseite beginnt im Einkauf.

Balkendiagramm Auftragsmangel im Bau Juni 2026, Bauhauptgewerbe 38 Prozent, Wohnungsbau 44 Prozent
Auftragsmangel im Bau, Juni 2026. Quelle: ifo Konjunkturumfrage.

Warum die meisten Betriebe ihre Einkaufszahlen nicht kennen

Der Einkauf im Bau ist historisch dezentral organisiert. Bestellt wird auf der Baustelle, im Büro, per Telefon und per Mail. Die Daten liegen verstreut in Ordnern, Postfächern und Köpfen. Eine zentrale Auswertung gibt es selten, weil es die Datengrundlage dafür nicht gibt.

Die Folge ist ein blinder Fleck genau dort, wo am meisten Geld bewegt wird. Der Geschäftsführer sieht am Monatsende die Summe der Materialkosten, aber nicht, wie sie zustande kam. Wurde zu Rahmenvertragskonditionen bestellt oder am Vertrag vorbei? Wurde Skonto gezogen oder verschenkt? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, weil niemand die Zahlen zusammenführt.

Dabei ist Beschaffungscontrolling kein Luxus für Großkonzerne. Es ist die Grundlage jeder ernsthaften Kostensteuerung. Wer nicht misst, kann nicht steuern, und wer nicht steuert, überlässt die Marge dem Zufall. Der erste Schritt ist deshalb nicht ein neues Tool, sondern die Entscheidung, überhaupt hinzuschauen.

Die fünf Kennzahlen, die auf den Tisch der Geschätsführung gehören

Nicht jede Kennzahl ist gleich wichtig. Für die monatliche Steuerung reicht ein kompaktes Set, das den Einkauf ehrlich abbildet. Diese fünf Werte sind die Basis:

  • Bestellvolumen je Projekt: Zeigt, wie viel Material pro Baustelle beschafft wird, und macht Ausreißer früh sichtbar.
  • Maverick-Buying-Quote: Der Anteil der Bestellungen, die an Rahmenverträgen und Freigaben vorbeilaufen. Jeder Prozentpunkt hier kostet direkt Marge.
  • Preisabweichung zu Rahmenverträgen: Der Unterschied zwischen vereinbartem und tatsächlich gezahltem Preis. Er deckt auf, ob ausgehandelte Konditionen im Alltag auch greifen.
  • Skontoquote: Der Anteil der Rechnungen, bei denen Skonto tatsächlich gezogen wurde. Verschenktes Skonto ist bares Geld, das ungenutzt liegen bleibt.
  • Durchlaufzeit Rechnung: Die Zeit vom Rechnungseingang bis zur Freigabe. Sie entscheidet mit darüber, ob Skontofristen überhaupt eingehalten werden können.

Jede dieser Kennzahlen beantwortet eine konkrete Frage, die ein Geschäftsführer stellen sollte. Die Maverick-Buying-Quote zeigt, ob die eigene Beschaffungsdisziplin funktioniert. Wie teuer wildes Bestellen wird, haben wir im Beitrag zu Maverick Buying im Bau durchgerechnet. Die Preisabweichung wiederum zeigt, ob sich die mühsam verhandelten Rahmenverträge im Tagesgeschäft überhaupt auszahlen.

Hilfreich ist außerdem ein fester Rhythmus. Wenn die fünf Kennzahlen jeden Monat zum gleichen Termin besprochen werden, etwa im kurzen Austausch zwischen Geschäftsführung, Einkauf und Buchhaltung, wird aus Zahlen ein Gespräch über Ursachen und Maßnahmen. So bleibt das Beschaffungscontrolling lebendig und versandet nicht in einer Tabelle, die niemand mehr öffnet.

Wer den Einkauf nicht misst, verhandelt jedes Jahr neue Konditionen und weiß am Ende nicht, ob sie im Betrieb je angekommen sind.

Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit. Eine Kennzahl, die einmal im Jahr auftaucht, ist eine Anekdote. Eine Kennzahl, die jeden Monat auf dem Tisch liegt, wird zum Steuerungsinstrument. Erst die Wiederholung macht Trends sichtbar und erlaubt es, früh gegenzusteuern statt im Nachhinein zu erklären.

Von der Kennzahl zur Entscheidung

Kennzahlen sind kein Selbstzweck. Ihr Wert entsteht erst, wenn sie zu Entscheidungen führen. Eine hohe Maverick-Buying-Quote ist ein Signal, die Freigabeprozesse zu schärfen. Eine niedrige Skontoquote ist ein Auftrag an die Buchhaltung, Durchlaufzeiten zu verkürzen. Eine große Preisabweichung ist ein Anlass, mit dem Lieferanten oder den eigenen Bestellern zu sprechen.

Genau hier zeigt sich der Zusammenhang zwischen Kennzahlen und Konditionen. Rahmenverträge senken die Kosten nur, wenn sie auch genutzt werden. Wie zentrale Beschaffung Margen rettet, beschreiben wir im Beitrag zu Rahmenverträgen im Bau. Und aktuelle Preislisten sind die Voraussetzung dafür, dass Preisabweichungen überhaupt korrekt gemessen werden, wie unsere Analyse zu Materialpreisen 2026 zeigt.

Der ehrliche Blick auf diese Zahlen ist manchmal unbequem. Er kann zeigen, dass ein Drittel der Bestellungen an den Rahmenverträgen vorbeiläuft oder dass regelmäßig Skonto verschenkt wird. Doch genau diese Erkenntnis ist der Hebel. Was sichtbar wird, lässt sich verbessern. Was im Dunkeln bleibt, kostet weiter Geld, ohne dass es jemand merkt.

Ein praktischer Tipp für den Einstieg: Beginnen Sie mit einer einzigen Kennzahl, die im eigenen Betrieb erfahrungsgemäß am meisten wehtut. In vielen Baubetrieben ist das die Maverick-Buying-Quote, weil dezentrale Bestellungen tief in der Kultur verankert sind. Wer hier ansetzt und den Wert über einige Monate verfolgt, sieht schnell, ob Maßnahmen wie klarere Freigaberegeln tatsächlich wirken. Der Erfolg an dieser einen Zahl schafft die Akzeptanz, um das Kennzahlen-Set nach und nach zu erweitern.

Warum Digitalisierung die Voraussetzung ist

All diese Kennzahlen setzen eines voraus: strukturierte Daten. Ohne digitale Beschaffung gibt es keine Maverick-Buying-Quote, weil niemand weiß, welche Bestellung freigegeben war. Es gibt keine Preisabweichung, weil die Rahmenvertragspreise nicht hinterlegt sind. Es gibt keine belastbare Durchlaufzeit, weil Rechnungen im Papierstapel liegen.

Mit einer zentralen Beschaffungsplattform entstehen diese Zahlen als Nebenprodukt des normalen Arbeitens. Betriebe bestellen bis zu 50 Prozent schneller, verarbeiten Belege bis zu 75 Prozent schneller, und 100 Prozent des Bestellwerts landen im ERP. Die Kennzahlen sind dann keine mühsame Extraauswertung mehr, sondern ergeben sich automatisch aus dem Prozess.

Dabei geht es nicht um perfekte Zahlen von Tag eins an. Auch eine grobe Näherung ist wertvoller als gar kein Wert, solange sie konsequent gleich erhoben wird. Wichtiger als die zweite Nachkommastelle ist die Richtung: Bewegt sich die Skontoquote nach oben, sinkt die Durchlaufzeit, kommt die Preisabweichung dem vereinbarten Niveau näher? Diese Trends erzählen die eigentliche Geschichte des Einkaufs.

Für Geschäftsführer heißt das: Der Weg zu besseren Einkaufszahlen führt über die Digitalisierung der Beschaffung. Nicht als Selbstzweck, sondern weil erst sie die Transparenz schafft, die eine ernsthafte Kostensteuerung braucht. Wer 2026 seine Marge verteidigen will, sollte diese fünf Kennzahlen kennen, und dafür sorgen, dass sie jeden Monat auf seinem Tisch liegen. Weiterführende Impulse dazu finden Sie in unserem Magazin.

Jetzt Zugang sichern!

Spannende weitere Beiträge

Warten Sie nicht auf Ihre Lieferanten. Standardisieren Sie selbst.

Ikonik Icon
Software-Demo CATHAGO
Termin buchen
Lieferanten-Netzwerk
Jetzt ansehen