5 Herausforderungen im Baugewerbe im Jahr 2023

Die Bauindustrie hat im Jahr 2022 mit einer Vielzahl an Alltagsproblemen umzugehen. Welche Herausforderungen bleiben auch 2023 noch bestehen?
Kilian Schöneberger Richard Göldner CATHAGO
© Stock / sittinan
Alle Herausforderungen im Überblick:

➜ Fachkräftemangel
➜ Materialmangel & Lieferengpässe
➜ Erhöhte (Material)Kosten
➜ Nachhaltiges Bauen
➜ BIM

Im Jahr 2022 hat auch das Baugewerbe schwerwiegende Rückschläge hinnehmen müssen. Nachdem die Branche die Pandemie und alle damit verbundenen Auswirkungen, verglichen zu anderen Industrien, sehr gut meistern konnte, ist dieses Jahr von Krisen geprägt, die sich langfristig auf die Arbeit im Bau auswirken wird: Dabei hat insbesondere der Ukrainekrieg dazu beigetragen, dass Materialknappheit und explodierende Materialpreise den Alltag für viele Bauunternehmen erschwert.

Doch auch neben der Pandemie und dem Krieg haben sich Trends entwickelt, die auch das kommende Jahr massiv beeinflussen werden. Nachfolgend haben wir fünf Trends zusammengefasst, die das Baugewerbe im Jahr 2023 und darüber hinaus prägen werden.

Fachkräftemangel

Blickt man auf die letzten Jahre zurück, ist nicht nur die Bauindustrie, sondern viele verschiedenen Branchen vom Fachkräftemangel betroffen. Dabei spitzt sich die Lage insb. im Bau weiterhin zu, was das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit ihrem jüngsten Bericht belegt. Im ersten Quartal des Jahres 2022 gab es im Baugewerbe knapp 200.000 offene Stellen, die nicht besetzt wurden bzw. besetzt werden konnten.

Dabei ist festzustellen, dass sich in den letzten 12 Jahren die offenen Positionen im Bau vervierfacht haben: Im Jahr 2010 waren es „nur“ knapp 50.000 Fachkräfte, die dem Bau gefehlt haben. Obwohl natürlich auch andere Industrien mit dieser Thematik zu kämpfen haben, ist in der gesamten Wirtschaft lediglich eine Verdoppelung der offenen Stellen festzustellen. Die Herausforderung des Fachkräftemangels wird somit auch die nächsten Jahre die Bauindustrie prägen. Die Prognosen der Neueinsteiger im Bau lassen auf keinen Rückgang dieses Mangels schließen, was dazu führt, dass sich Unternehmen im Bau nach alternativen Lösungen umsehen müssen.

Dabei gehört Ressourceneinsparung, Prozessoptimierung und Entlastung der derzeitig Beschäftigten zu den aufkommenden Aufgaben für Baufirmen. Dabei belegen bereits einige Bauunternehmen, wie digitale Tools Ihnen den Alltag erleichtern und wie zeitintensive Aufgaben so minimiert werden können.

Materialmangel & Lieferengpässe

Obwohl die Auftragslage trotz der Pandemie und des Ukrainekriegs nach wie vor gut ist, fehlt es vielerorts an Material: Fast jedes zweite Hochbauunternehmen meldete im Juni Lieferengpässe von ihren Lieferanten, auch im Tiefbau waren es ca. 40 Prozent. Besonders schwerwiegend ist derzeit der Maschinenbau von der Materialkrise betroffen, wonach derzeit 87 Prozent aller Unternehmen ihre Lieferketten derzeit „merklich oder gravierend beeinträchtigt“ sehen, belegt ein Bericht vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Für Bauunternehmen bedeutet dies oftmals, dass neben dem Erweitern des eigenen Lieferanten-Netzwerks, auch die Beziehung zu den Bestandslieferanten weiterhin optimiert werden muss. So sind für Lieferanten gute Geschäftsbeziehungen oftmals ausschlaggebend dafür, welche Bauunternehmen Material geliefert bekommen und welche Kunden sich weiterhin gedulden müssen.

Erhöhte (Material)Kosten

Als Folge der Materialengpässen steigen die Kosten für Material und Bauprojekte. Der Preis für Neubauten ist im Mai um 18 Prozent gestiegen, was den stärksten Anstieg seit 1970 bedeutet. Dabei können Bauunternehmen die erhöhten Umsätze jedoch nicht in Gewinne wandeln, denn die Unternehmen können die erhöhten Kosten nur selten weitergeben und bleiben somit auf den immer weiter steigernden Kosten sitzen.

Einen besonders hohen Anstieg der Materialpreise verzeichnen Metallbauarbeiten (+23,6 Prozent), sowie Betonarbeiten (+23 Prozent). Lieferanten sind dabei kaum noch in der Lage zuverlässige Preisangaben zu Material zu machen, weshalb Bauunternehmen ihre Projekte und Angebot nicht mehr verlässlich planen können. Täglich neue Preiserhöhungen und -anpassungen gehören dabei zum Alltag und werden dabei auch nicht immer kommuniziert: Die reine Verfügbarkeit hat eine höhere Relevanz als der Preis.

Bauunternehmen wird dabei empfohlen, verfügbares Material zu einem möglichst moderatem Preis auf Lager zu kaufen, um weitere Preiserhöhungen aus dem Weg zu gehen. Dies ist jedoch in der Praxis nur selten möglich, da auch die Preisschwankungen nur schwierig zu prognostizieren sind und von vielen Faktoren beeinflusst werden.

Die wohl effektivste Methode gegen die derzeit hohen Materialkosten vorzugehen ist sich eng mit seinen Lieferanten auszutauschen und digitale, zeitsparende Zusammenarbeit mit den eigenen Lieferanten in den Fokus zu rücken. Dabei können verschiedene Softwareanbieter hilfreiche Tools zur Verfügung stellen, die sowohl dem Handel als auch dem ausführenden Bauunternehmen Zeit im Arbeitsalltag spart.

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Nachhaltiges Bauen

Auch wenn das Ziel nachhaltiger zu bauen bereits seit einigen Jahren kommuniziert wird, hängt Deutschland nach wie vor bei den Klimazielen hinterher. Dies bedeutet, dass auch weiterhin in den nächsten Jahren der Bauprozess und die Materialauswahl weiterhin optimiert werden müssen, um diese Ziele zu erreichen und einen echten Wandel zu gestalten.

Denn die Baubranche ist in Deutschland für knapp 60 Prozent des Abfalls und 14 Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich. Dabei fällt es vielen Bauunternehmen schwer, wie man nachhaltiger Methoden implementiert und umsetzt. Dass jedoch schon teils einfache Optimierungen in der alltäglichen Arbeit die Nachhaltigkeit fördern kann, ist vielen Fachkräften nur teilweise bewusst. Einen gemeinschaftlichen Wandel ist dabei nur mit Zusammenarbeit und Austausch möglich - zwischen Unternehmen, Fachkräften, Experten, Startups und Verbänden.

BIM (Building Information Modeling)

Nicht zuletzt die Bundesregierung erhöht die Relevanz von BIM. In einem neu veröffentlichten Dokument hat das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) neue zentrale Digitalisierungsmaßnahmen gebündelt. So soll ab dem Jahr 2025 BIM für den Bundesfernstraßenbau standardmäßig eingesetzt werden, nachdem dies bereits für den Schienenbau gilt. Um somit in diesem Jahr diesen Standard zu erfüllen, müssen und werden sich Unternehmen bereits zuvor schon mit BIM mehr und mehr auseinandersetzen, um bis zum Stichtag im Jahr 2025 gut in diesem Gebiet aufgestellt zu sein.

Im europäischen Vergleich bleibt Großbritannien führend bei der Implementierung und erfolgreichen Nutzung von BIM in Bauprojekten. Dennoch ist zu erkennen, dass weitere europäischen Märkte nachziehen, so auch Deutschland, wo immer mehr Schritte zur Standardisierung von BIM fokussiert werden.

An den BIM Tagen Deutschland werden genau diese Themen diskutiert. BIM sowie weitere digitale Tools helfen der Baubranche bei der Optimierung von Prozessen, sowie dem Ziel der Klimaneutralität. Übrigens: CATHAGO hat sich für den Startup-Wettbewerb an den BIM Tagen Deutschland qualifiziert, mehr dazu gibt es am 16. September inkl. Online-Voting.